FriedWald-Magazin

Quelle: Denis Saraginovski/Shutterstock.com

Editorial

Der Wind rauscht in den Blättern, Laub raschelt, die Sonne scheint durch die Bäume. Es duftet nach Moos, nach Erde, nach getrocknetem Holz. Der Wald lässt einen zur Ruhe kommen, hier kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen. Dass der Wald auch ein Ort des Trostes ist, erzählen diese Geschichten. Eine Einladung zu ganz besonderen Begegnungen.

Willkommen liebe Leserinnen,
liebe Leser,

als wir 2001 damit begannen, in Deutschland Bestattungen im Wald zu ermöglichen, stieß das noch auf viel Skepsis. Heute finden an fast 60 FriedWald-Standorten ganz selbstverständlich Trauerfeiern statt. Mal mit geistlichem Beistand, mal ohne, und immer begleitet von einem FriedWald-Förster. Es gibt Familien, die sich einen Baum teilen. Es kommen Paare. Und es gibt Freunde, die sich gemeinsam eine Grabstätte aussuchen. Das war es, was wir wollten: Einen Ort schaffen, der Abschied und Trauer Freiraum gibt.

Kurz nach der Eröffnung des ersten FriedWald-Standortes erhielt ich den Anruf einer älteren Dame. Sie hatte im Radio von uns gehört und sagte, sie stelle sich das so schön vor, an einem Baum im Wald bestattet zu werden. „Der Wind in den Blättern, die Vögel zwitschern, vielleicht kommt eine Familie zum Picknick vorbei.“ Sie sprach ganz offen über den Tod und darüber, was sie sich wünscht, wenn es so weit ist. Das hat mich tief berührt. Bis heute begegnen uns durch unsere Arbeit viele Menschen, die sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema Tod und Trauer beschäftigen und die uns mit ihren Geschichten bewegen, weil sie ein so starkes und klares Bekenntnis zum Leben sind. Diesen Geschichten wollen wir im neuen FriedWald-Magazin Raum geben.

Unterschrift Petra Bach
Portrait Petra Bach
Petra Bach, FriedWald-Geschäftsführerin
Foto: Dennis Möbus
Förster Frank Homuth
Förster Frank Homuth erklärt nachhaltige Forstwirtschaft
A&B One Kommunikationsagentur für FriedWald © 2016

FriedWald-Förster Frank Homuth führt uns durch sein Revier, den Wald Kalletal an der Porta Westfalica, und erklärt, warum es wichtig ist, den Wald nicht sich selbst zu überlassen.

„Wir denken nicht in Jahren, wir denken in Generationen“

Frank Homuth
FriedWald-Förster

In kaum einem anderen Beruf braucht der Mensch einen längeren Atem. Der Förster denkt schon zwei Generationen weiter, wenn er zum Beispiel eine kleine Fichte entnimmt, die zu dicht an der jungen Eiche wächst.

Das Bild, das FriedWald-Förster Homuth dabei in seinem Kopf hat, wird er sicher nicht mehr erleben: Der Mittfünfziger will in seinem Revier in Kalletal prächtige Eichenbäume, die in 150 Jahren noch Platz für eine ausladende Baumkrone haben. Schnell wachsende Bäume muss Homuth auf Abstand halten, denn sonst wird es nichts mit den Eichen im Wald.

Schon seitdem die Menschen den Wald für sich nutzen, etwa als einen Ort der Ruhe und Erholung, greifen sie ein in den Wald. Es gibt Wald in Deutschland, der nicht mehr bewirtschaftet wird und eines Tages Urwald sein wird (Urwald Saarbrücken), nur sieht dieser Urwald nicht so aus, wie wir uns einen Urwald vorstellen, undurchdringlich und recht eintönig. Denn hier würden nur einige wenige, schnell wachsende Bäume dicht an dicht in die Höhe ragen. Wer in Homuths Revier, in dem sich auch der FriedWald Kalletal befindet, spazieren geht, der findet aber einen lichtdurchfluteten gemischten Wald.

Revierförster Homuth und Generationen vor ihm sind es, die für Artenvielfalt im Wald sorgen. Sehr behutsam und mit dem Blick für den ganzen Wald entsteht hier ein einzigartiger Naturraum. Homuth nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch seinen Wald und erklärt uns, wie er dafür sorgt, dass der Wald für die Menschen ein besonderes Naturerlebnis bleibt.

Foto: Robert Schlesinger, picture alliance für FriedWald © 2015

Die Yogalehrerin und Autorin Katharina Middendorf und der Schauspieler Wanja Mues haben sich über ihre Kinder in einer Berliner Grundschule kennengelernt. Beim ersten gemeinsamen Abendessen waren sie durch ihre jeweiligen Erfahrungen sehr schnell beim Thema Tod. Beim Spaziergang im Berliner Grunewald sprechen sie darüber, wie aus dem Tod für beide ein „Ja“ zum Leben geworden ist.

„Komm, wir finden einen Schatz!“

Im Grunewald mit Katharina Middendorf und Wanja Mues

„Na toll“, brummt der Kameramann. Es hat begonnen zu nieseln. Es ist kalt. Wir stehen mitten im Berliner Grunewald und warten auf Katharina Middendorf und Wanja Mues. Sonnenschein hatte der Wetterbericht eigentlich vorhergesagt. Bei dem Thema braucht man nicht noch Regen und Minusgrade, finden alle im Team. Katharina Middendorf und Wanja Mues haben kein Problem damit. Die Yogalehrerin und der Schauspieler gehen hier öfter spazieren und sind sofort miteinander im Gespräch.

Foto: Robert Schlesinger, picture alliance für FriedWald © 2015

Katharina Middendorf und Wanja Mues haben sich über ihre Kinder kennengelernt, bei einem Tag der offenen Tür in der Grundschule in Berlin-Zehlendorf. Es war Wanjas Ehefrau, die auf Katharina zuging, ganz direkt: „Du bist doch Katharina, die Frau von Julian, der vor kurzem gestorben ist. Ich bin auch Yogalehrerin und mein Mann ist auch Schauspieler. Er hat vor ein paar Jahren seine Eltern verloren. Ich glaube, wir haben eine Geschichte, die uns verbindet“, erinnert sich Katharina. Sie fand das ungewöhnlich. Und schön. „Die Menschen pirschen sonst eher um einen herum, wenn sie das von einem wissen.“

Am späten Nachmittag des 12. März 2011 verliert in Hamburg-Eppendorf ein Autofahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug, verfehlt knapp ein Kind in seinem Kinderwagen, verletzt mehrere Passanten und reißt vier ältere Menschen in den Tod. Wenig später flimmert im Teletext die Nachricht von dem schweren Unfall über den Bildschirm. Wanja Mues hat den Fernsehapparat zufällig eingeschaltet. Er ist in Berlin. Er überlegt kurz, er weiß, dass seine Eltern abends ins Theater wollten. Er ruft in Hamburg an, spricht auf den Anrufbeantworter, beruhigt sich wieder. Die Ansage klingt wie immer. Ein paar Stunden später ist alles aus den Fugen, stehen Wanjas Cousin und Wanjas Ehefrau im Türrahmen, leise miteinander redend, mit jeder Faser ihres Körpers aufmerksam für den Aufruhr, der ihn im Zimmer im Kreis umhertreibt, erzählt Wanja Mues.

Foto: Robert Schlesinger, picture alliance für FriedWald © 2015

Katharina Middendorf hat schweigend zugehört. Mit sechs Jahren erlebte sie den Tod ihres Vaters. 26 Jahre später überlebt der vier Wochen alte Sohn von Katharina und Julian einen angeborenen Herzfehler nicht. „Ich kenne das. Dieses im Kreis Laufen, dieses Rotieren und auch das zu sich kommen. Weißt Du, das erinnert mich ein bisschen an die Schatzsuche bei Janosch.“ Wanja lacht: „Ja, genau! Und man versteht ganz lange nicht, warum die nicht einfach mal mitten durchlaufen.“

Foto: Robert Schlesinger, picture alliance für FriedWald © 2015

Für Wanja Mues beginnen morgen die nächsten Dreharbeiten für „Ein Fall für Zwei“. Katharina Middendorf macht sich gleich auf den Weg zu ihren Töchtern und zu den Vorbereitungen ihres Yoga-Wochenendseminars. Wir haben uns in großen Bierhumpen heißen Tee geholt, wir reden noch ein Weilchen, die Vögel zwitschern. „Alles, was Bestand hat bleibt. Ich lieb‘ den genau wie vorher“, hören wir Katharina sagen. Wir stehen mitten im Wald im Nieselregen und finden es wunderbar so.

Foto: Robert Schlesinger, picture alliance für FriedWald © 2015
Foto: Jan Haas, picture alliance für FriedWald © 2015

„Ich denke, es ist eine Frage der Atemtechnik.“

Peter Gaymann
Cartoonist

Im Atelier bei Peter Gaymann

„Ich denke, es ist eine Frage der Atemtechnik.“ Die Idee zu dem Spruch ist Peter Gaymann über Nacht gekommen. Für einen seiner Hühnercartoons. Die Lebensweisheiten seiner Hühner haben ihn bekannt gemacht. Der Cartoonist hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und zeichnet seit 25 Jahren für die „Brigitte“. Für den 64-Jährigen hat der Humor eine tröstende Kraft. Wir haben ihn in seinem Atelier in Köln besucht und dorthin begleitet, wo er selbst gerne Atem schöpft.

„Der Baum hat uns gefunden. Ich fühl mich hier einfach wohl und ich kann hier gut entspannen.“

Evelyn Schlosser-Sturm
Biologin und FriedWald-Försterin

Es war ein eisiger Februartag mit viel Schnee, als sie das erste Mal hier durch den Wald gestapft ist. Irgendwann standen sie und ihre erwachsenen Kinder im FriedWald Weilrod vor einer Eiche mit sechs Spechtlöchern. „Wir wussten sofort: Das ist unser Baum“, sagt Evelyn Schlosser-Sturm. Ihr Mann war Biologe, wie sie selbst, und Jäger. Er kannte sich gut aus im Wald.

„Dass ein FriedWald ein passender Ort für die letzte Ruhe sein würde, war uns beiden klar“, erzählt Evelyn Schlosser-Sturm. „Das Thema Sterben war kein Tabu in unserem Leben. Wir haben auch unsere Wünsche für unsere Beisetzung besprochen.“ Ihr Mann ist ohne Vorwarnung gestorben, ganz plötzlich. Statt auf einen Friedhof geht Evelyn Schlosser-Sturm, wenn sie ihrem Mann ganz nahe sein will, nun in den Wald. Immer an ihrer Seite ist ihr kleiner Hund. „Hier sieht es jeden Tag anders aus, je nach Licht und Jahreszeit. Und fast immer hört man die Vögel singen“, freut sich Evelyn Schlosser-Sturm. „Im Wald fühle ich mich frei und komme oft hierher.“

Und so war es beinahe so etwas wie eine gute Fügung, dass die Biologin im FriedWald eine neue Aufgabe gefunden hat: Als FriedWald-Försterin berät sie Menschen, die einen Baum für ihre letzte Ruhestätte suchen. „Ich merke immer wieder, wie erleichtert Menschen sind, wenn sie spüren, dass da jemand ist, der weiß, wie man sich in so einer schwierigen Situation fühlt.“ Sie arbeitet gerne hier. Es sei so wichtig, Angehörige so bestatten zu dürfen wie es einem entspricht. „Darauf“, sagt sie, „kann man hier sehr schön eingehen.“

„Der FriedWald ist eine Investition in die Zukunft von Mensch und Natur. Die Bäume bleiben länger im Wald, werden ganz sicher älter. Die Menschen können darauf bauen, dass hier auf lange Zeit ein natürlicher Raum bestehen bleibt.“

Nikolaus Graf von Westerholt
Holzwirt

Tradition schafft Zukunft

Begegnung mit Nikolaus Graf von Westerholt

Wären da nicht der Rassehund mit den tadellosen Manieren an seiner Seite und das gediegene Mobiliar des 1740 erbauten Schlosses Freckenhorst – man würde den hochgewachsenen freundlichen Mann in lässigen Bluejeans unter der feschen Trachtenjacke schlicht für einen guten Kumpel, für den umgänglichen Nachbarn von Nebenan halten. Keine aristokratischen Allüren, keine Attitüde? Nikolaus Graf von Westerholt lacht. Er kennt die Klischees.

Und doch trägt der Spross des rheinisch-westfälischen Adelsgeschlechts aus der Nähe von Recklinghausen eine besondere Verantwortung. „Seit drei Jahren wohne ich wieder mit meinen Eltern unter einem Dach“, erzählt der 32-jährige Holzwirt mit Stolz in der Stimme. „Peu à peu übernehme ich die Aufgaben und den Betrieb unserer Familie.“ Denn Adel verpflichtet. Nach dem Studium in Hamburg ist von Westerholt mit einem klaren Ziel ins elterliche Schloss nahe Münster zurückgekehrt: den 275 Jahre alten Familiensitz sowie den 200 Hektar großen Land- und Forstbetrieb erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Ein stattliches Haus und Grundbesitz – was sich manch anderer sehnlichst wünscht, entpuppt sich bei genauer Betrachtung weniger als Komfort, denn als echte Herausforderung. Durch hölzerne Fensterritzen und denkmalschutzwürdige Türen pfeift schon mal der Wind. Selbst die Installation einer Badewanne oder Küche muss wohl überlegt sein, will man Haus, Substanz und historischen Charakter nicht blindlings dem Zeitgeist opfern. Alte Gemäuer mit hohen Decken lassen sich eben nicht mit einem Energiesparhaus vergleichen und auch nicht „eins-fix-drei“ umbauen. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem forstwirtschaftlichen Betrieb. Von jeher steht für die von Westerholts Nachhaltigkeit im Vordergrund. „Deshalb hat meinen Vater und mich das Konzept von FriedWald sofort überzeugt“, erläutert Nikolaus Graf von Westerholt. Käufer eines Baumes erwerben für 99 Jahre ein Bestattungsrecht an diesem Ort für sich und ihre Angehörigen – und damit über Generationen. „Familienintern haben wir dieses Denken über Generationen hinweg, pflegen die Traditionen und fühlen uns ihnen verbunden.“

Und dann erzählt er uns von den Großeltern und ihren Vorfahren, von Enteignungen unter Napoleon, von glücklichen Fügungen und der Rückkehr seiner Familie nach Freckenhorst. „Ich fühle Verantwortung gegenüber der Vergangenheit, aber auch gegenüber meinen Eltern, Geschwistern und kommenden Generationen“, sagt er. Das sind seine Wurzeln, das ist sein Halt. Wenn Nikolaus Graf von Westerholt im Sommer seine Verlobte aus bürgerlichem Hause heiratet, wird auch sie einen Teil dieser Verantwortung für Familie, Schloss und Wald übernehmen. Adel verpflichtet eben, auch für die Zukunft.

Sabine Kraft, Geschäftsführerin Bundesverband Kinderhospiz e.V.
Sabine Kraft setzt sich für Kinderhospize in Deutschland ein.
Foto: Michel Unger für FriedWald © 2015

Wenn Sabine Kraft mit Kindern spricht, dann tut sie das auf Augenhöhe. Das ist der Geschäftsführerin des Bundesverbandes Kinderhospiz wichtig. Was Eltern hilft, wenn Kinder vor ihnen gehen, was den Alltag in einem Kinderhospiz ausmacht und wie Kinder und ihre Familien den Abschied bewältigen, das erklärt uns die engagierte Sozialpädagogin im Kinderhospiz bei Mannheim und beim Spaziergang im Wald.

Im Gespräch mit

Sabine Kraft, Geschäftsführerin Bundesverband Kinderhospiz e. V.

In Deutschland leben etwa 40.000 Kinder und Jugendliche mit lebensbegrenzenden Erkrankungen. „Für die Kinder und ihre Familien ist das eine Belastungsprobe“, weiß Sabine Kraft. Als die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Kinderhospiz e. V. vor zehn Jahren begann, sich für Kinderhospize in Deutschland stark zu machen, waren Familien mit einer solchen Situation vielerorts noch vollkommen auf sich gestellt.

Im Kinderhospiz Sternthaler in Dudenhofen.
Foto: Michel Unger für FriedWald © 2015

Inzwischen gibt es bundesweit neben rund 140 ambulanten Kinderhospizdiensten vierzehn Kinder- und Jugendhospize, weitere sind in Planung. Die wichtigen Einrichtungen entlasten die Familien, schaffen Freiräume und helfen schwerstkranken Kindern, ihren Eltern und ihren Geschwistern dabei, gemeinsam den Abschied zu bewältigen.

Für Sabine Kraft sind Hospize Orte des Lebens.
Foto: Michel Unger für FriedWald © 2015

Der Bundesverband Kinderhospiz e. V. hilft Eltern auch auf seiner Internetseite mit vielen nützlichen Informationen zu Anlaufstellen, Ansprechpartnern und Einrichtungen: http://www.bundesverband-kinderhospiz.de/

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Im Leuschnerpark 3
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(Mo.-Fr. 08:00-18:00 Uhr,
Sa. 08:00-16:00 Uhr)

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